Stellungnahme zu Wohnwagen auf dem Bürgibahnhof

Am Freitagmorgen, den 27. Februar, erfuhren wir, dass eine kleine Gruppe Menschen sich mit Wägen, Bauzäunen und Sichtschutz auf dem Bürger*innenbahnhof eingerichtet hat. Laut Selbstbekundung wurden sie von einem Wagenplatz im Leipziger Westen vertrieben. Hier ist nun also ein Konflikt auf die Fläche getragen worden, der andernorts nicht gelöst werden konnte. Wir sehen den Druck, dem Menschen in der rasant wachsenden Stadt ausgesetzt sind. Präkarisierung und Verdrängung sind überall in der Stadt ein untragbarer Missstand.

Da wir seit nunmehr 5 Jahren um die Fläche kämpfen, möchten wir zu den Vorgängen Stellung beziehen.

Im langwierigen Bürger*innenbeteiligungsprozess haben wir gemeinsam mit Leipziger Umweltschutzverbänden ein ökologisches Leuchtturmprojekt gefordert: Habitatschutz sowie eine Teilentsiegelung für einen öffentlich zugänglichen Park. Denn hier leben unter anderem die streng geschützte Zauneidechse, Leipzigs letzte Population der Wechselkröte, zudem Molche, Insekten, Vögel und Kleinsäuger. Tiere, die überall in der Stadt vom Schwund ihres Lebensraums bedroht sind und die sich in den Jahrzehnten des Brachliegens hier schutzwürdige Habitate erschließen konnten.

Wir haben ehrenamtlich hart um den Erhalt der hier vorhandenen Stadtnatur gekämpft, dafür, dass die Fläche nicht komplett bebaut wird. Im langen Ringen darum ist in einem respektvollen Aushandlungsprozess ein Konsenspapier mit der Eigentümerin LEWO, dem Stadtplanungsamt, Nachbar*innen und Anwohner*innen entstanden. Hier soll eine öffentliche Fläche ohne Bebauung und Zäune entstehen, über deren Nutzung die Stadtgesellschaft in Zukunft gemeinsam entscheiden soll. In Zukunft, denn noch gehört die Fläche weiterhin der LEWO, noch ist der neue Bebauungsplan, der auf dem Konsenspapier beruht, nicht vom Stadtrat beschlossen worden. Das Verfahren soll noch in diesem Jahr fortgeführt werden.

Die Ergebnisse des ausgehandelten Konsens sind für uns verbindlich.

Die erkämpfte Fläche auf dem Bürger*innenbahnhof mit der im Ergebnispapier formulierten Perspektive eines öffentlichen Freiraums und dem Gebot des Schutzes gewachsener Stadtnatur ist nicht als Wohnfläche vorgesehen. In einem Viertel, dessen Bevölkerung sich in den letzten 15 Jahren verdoppelt hat, benötigen wir grüne Freiräume. Wir sehen es grundsätzlich kritisch, soziale Belange gegen stadtökologische Belange aufzuwiegen. Deshalb gilt unsere Forderung für die Fläche weiterhin: Ein Park für Alle!

Wir haben hier für einen Freiraum gekämpft und wir wünschen uns Solidarität mit der bisherigen Arbeit der lokalen Initiativen und Anwohner*innen, damit die Ergebnisse auch umgesetzt werden.

Siehe auch: Kollektive Stellungnahme zur Besetzung vom 3. April 2026