Kollektive Stellungnahme zur Besetzung

Hallo liebe Menschen,

Am 24.3.2026 luden die Besetzer*innen auf dem Bürger*innenbahnhof alle Interessierten zu einer Gesprächsrunde ein. Es kamen 30-40 Menschen: alle Akteur*innen der vor Ort tätigen Gruppen, Vereine und Inititativen sowie einige Anwohner*innen des Bürger*innenbahnhofs Plagwitz waren vertreten. 

Das Gespräch wurde gut moderiert. Es sollten keine Lösungen diskutiert werden sondern lediglich ein offener Austausch von Gedanken erfolgen.

Am Anfang wurden alle Teilnehmenden darum gebeten, ihre Gefühle, Sorgen, Ängste und Wünsche kurz auf Zetteln zu vertextlichen. Anschließend wurden alle Zettel an einer Bauwagenwand aufgehangen, sortiert und kurz gemeinsam zusammengefasst. Diese Zettel wurden fotografisch dokumentiert. Die Inhalte dienten als Grundlage für die anschließende Diskussion. 

Im Gespräch wurde offen und respektvoll miteinander umgegangen. Alle Personen hatten die Möglichkeit, sich auszudrücken. Insgesamt kamen viele unterschiedliche Teilnehmende zu Wort.

Nachgehend wollen wir aus dem Gespräch eine zusammenfassende und gemeinsame Haltung formulieren, die nicht nur von der BI vertreten wird, sondern auch von den vielen Gruppen, die an diesem Tag ihre Meinung unmissverständlich und einheitlich gegenüber den Besetzer*innen ausgesprochen haben. Diese Stellungnahme ist eine kollektiver Text aller vor Ort tätigen Projekte.

  • Wir wünschen uns die Umsetzung des Ergebnispapieres sowie die durchgehend öffentliche Verfügbarkeit der erkämpften Fläche für alle Menschen und Tiere – so, wie es in den vielen Jahren zuvor auch war. Eine Inselnutzung als Wagenplatz ist kein Bestandteil des erkämpften Ergebnisses. 
  • Die meisten Menschen in Leipzig befinden sich im Kampf um Wohnraum. Die erkämpfte Freifläche auf dem Bürger*innenbahnhof ist bewusst kein Teil dieses Konfliktes, da auf ihr kein Wohnraum entstehen soll. Aufgrund des hohen Nutzungsdruckes im Kiez und darüber hinaus soll es eine Fläche für Alle bleiben. Dies ist die unverhandelbare Grundlage für das weitere Verfahren.
  • Durch die Besetzung der Fläche werden die Ergebnisse des Verfahrens gefährdet. Diese Gefahr ist keine diffuse Meinung. Unsere Gegner*innen bereiten sich bereits darauf vor. Ohne eine Besetzung der Fläche gäbe es für die Gegner*innen keine Angriffspunkte. Am bisherigen Status Quo gab es bisher weder in der Stadtverwaltung, noch in der Politik oder von der Eigentümer*in etwas zu rütteln. Die Besetzung liefert das nötige Futter, um das Projekt zu beenden bzw. großflächig einzuschränken. Das werden wir nicht zulassen.
  • Die dringend notwendige Winterruhe von geschützter Flora und Fauna auf dem Gelände wird in vielerlei Hinsicht gestört. Wir erzielten gegen die LEWO einen nach wie vor geltenden Baustopp, weshalb auch die ruinösen Häuser weiter nördlich nicht vollständig abgerissen werden. Die Fläche darf umweltschutzrechtlich nicht mit schwerem Gerät befahren werden. Durch das Besetzen mit Wägen sowie die Legung der Betonsteine durch die LEWO wird der Schutzstatus von Tier- und Pflanzenwelt unterlaufen. Die Betonsteine wurden durch die LEWO platziert, um eine weitere Vergrößerung des Wagenplatzes zu verhindern. 
  • Die anwesenden Gruppen zeigten auch Verständnis für die Menschen des Wagenplatzes. Dieses Verständnis wurde aber nie vorbehaltslos formuliert. Alle verstehen die Ursächlichkeit der Besetzung. Alle aktiven Gruppen vor Ort kennen die Gefahr von Vertreibung und Repression, denn sie waren mitunter bereits selbst davon betroffen und werden es auch wieder sein, wenn das Verfahren am Bürger*innenbahnhof scheitern sollte.
  • Die anwesenden Gruppen vom Bürger*innenbahnhof sehen es nicht ein, dass zugunsten von Einzelinteressen zur Kollektivierung vorgesehene Flächen wieder privatisiert werden. Für die Gruppen kann es kein „Wir“ oder „Gemeinsam“ geben, wenn einzelne sich zuerst einen Teil der Gemeinschaft nehmen und im Nachhinein von allen anderen ein konstruktives Miteinander einfordern. Wir kämpfen auf dem Bürger*innenbahnhof Plagwitz nicht für Einzelne sondern für die Bedürfnisse des Allgemeinwohls. 

In diesem Sinne bitten wir abermals um Solidarität und Zusammenhalt. Wir bitten die Besetzer*innen nachdrücklich darum, die Fläche zum Wohle des bereits Geschafften zu verlassen.

Abschließend wollen wir auch darauf hinweisen, dass es keinen Streit zwischen den Besetzer*innen und den örtlichen Gruppen gibt. Es besteht schon seit dem ersten Tag der Besetzung ein respektvoller und zudem persönlicher Austausch. Alle müssen akzeptieren, dass wir hier nicht zusammenkommen. Am vergangenen Dienstag konnten wir keine Stimme des Zuspruchs für den Verbleib vor Ort vernehmen. Vielmehr wurde deutlich, dass ein nicht lösbarer Konflikt besteht zwischen der Besetzung einer offenkundig ungeeigneten und gefährdeten Freifläche einerseits sowie der Suche nach einer Standmöglichkeit und der Schaffung von Aufmerksamkeit dafür andererseits. Den Stimmen, die an dieser Stelle von Spaltung oder gegenseitigem Ausspielen reden, unterstellen wir ein oberflächliches Interesse zur Thematik. Bei Fragen stehen wir wie immer für alle zur Verfügung.

Liebst,

  • Bürgerinitiative Bürgerbahnhof Plagwitz erhalten! 
  • Hildegarten
  • Heiter bis Wolkig
  • Obstgenossen im Stadt-Umland LPV LeipzigGrün
  • Bauspielplatz Wilder Westen / KiWest e.V.
  • Westbahnhof 
  • Anwesende Anwohner*innen