Offener Brief

Dieser Brief wurde von uns im Juni 2023 geschrieben und sammelt noch immer Unterschriften. Ja, vielleicht habt ihr vor 2 Jahren mal die Petition des BUND unterschrieben, trotzdem ist eure Unterschrift hier wichtig. Die Sammlung läuft bis auf Weiteres.

Offenen Brief mitzeichnen

2,555 Unterschriften

Sehr geehrter
Oberbürgermeister der Stadt Leipzig, Burkhard Jung,
Baubürgermeister der Stadt Leipzig, Thomas Dienberg,
Umweltbürgermeister Heiko Rosenthal,
Leiter des Amts für Stadtgrün und Gewässer Rüdiger Dittmar,

seit Anfang 2022 engagieren wir uns als unabhängige Anwohner:innen für den Erhalt der Freiflächen des Teilgebietes 380.2 „Grüner Bahnhof Plagwitz“. Viele Anwohner:innen sind gegen eine Bebauung der brachliegenden Flächen und für eine Erhaltung der Frischluftschneise.

Mit über 900 Stellungnahmen gegen den ursprünglichen Bebauungsplan Nr. 380.1, mit über 5.100 Unterschriften zur eingereichten Petition des BUND vom 16.06.2022 für eine Entsiegelung der Flächen, mit über 1.000 Besucher:innen unseres Stadtteilfestes auf dem Plagwitzer Bahnhof, nach fortlaufendem Austausch mit verschiedenen Stadträt:innen, sowie anderen Initiativen und Vereinen vor Ort;

im Hinblick auf INSEK 2030, EKSP 2030, die beschlossene Netto-Null-Versiegelung, der Stadtklimaanalyse, hinsichtlich des Verschwindens der wichtigsten Frischluftschneise für den Leipziger Westen, des großen Protests der Anwohner:innen und Umweltverbände, sowie des schweren Ungleichgewichts in Plagwitz zwischen jahrelanger Begünstigung des Bausektors gegenüber den fehlenden öffentlichen Ausgleichsflächen, der Zunahme von sozialem Ungleichgewicht, der Verdrängungsprozesse in dem Stadtteil, welcher durch seine räumlichen, kulturellen und sozialen Qualitäten maßgeblich zum „Boom“ der Stadt Leipzig beigetragen hat, fordern wir:

  1. keine weitere Bebauung des Teilabschnittes 2 des Plagwitzer Bahnhofes
  2. die Erhaltung des gesamten Gebietes als Frischluftschneise, entsprechend den Erkenntnissen der Stadtklimaanalyse, sowie konkreter Absichtsbekundungen der Stadtentwicklung Leipzig
  3. das Ende einer einseitigen und profitorientierten Baupolitik in Plagwitz, geprägt von Verdrängung und Versiegelung – hin zu einer kooperativen, den Bewohner:innen und dem Klimawandel gerechten Beteiligung im gesamten Stadtviertel
Visualisierung Nordteil ohne Bebauung

Erklärung zum offenen Brief

Für den Nordteil des Bahnhof Plagwitz, ehemaliger Bebauungsplan Nr 380, der zu Protesten von Anwohner:innen führte, soll ab August 2023 eine erneute Planung unter Bürgerbeteiligung erfolgen. Da diese Beteiligung für Entscheidungen der Stadt keineswegs bindend ist und in Bauvorhaben verschiedene Abwägungen einfließen, möchten wir hiermit noch einmal ausdrücklich daran erinnern, dass die Stadt auf dieser Fläche keineswegs zwingend Baurecht erteilen muss und Entscheidungen, die jetzt von politisch Verantwortlichen getroffen werden, zukunftsweisend sein müssen. Unter Berücksichtigung des im Oktober 2019 durch den Leipziger Stadtrat ausgerufenen Klimanotstands, der Klimaziele, die sich die Stadt gesteckt hat1 sowie in Anbetracht des extremen Bevölkerungszuwachses im Leipziger Westen in den letzten Jahren, muss gerade hier mit oberster Priorität klimaverantwortlich gehandelt werden! 

Dass die Fläche als Frischluftschneise für die Stadt fungiert, ist unumstritten. Eine Neubebauung jeglicher Art wäre fatal.

Die Klimanalysekarte der Stadt Leipzig zeigte schon im Jahr 2018 (!) im Bereich des Bahnhofsgeländes sowie in den angrenzenden Gebieten eine starke (38-41°C) bis extreme (über 41°C) Wärmebelastung. Seitdem sind die Temperaturen nachweislich gestiegen und befinden sich regelmäßig über den bisher gemessenen Durchschnittswerten2.

Die Karte der Stadtklimatischen Sanierungsbereiche und besonders schützenswerten Grünflächen des Leipziger Amts für Umweltschutz bezeichnet die Fläche als von „sehr hoher Schutzwürdigkeit“. Sie ist damit eine der 

„Grünflächen, die im Kaltluftprozessraum die Funktionen der primären Leitbahn, des flächenhaften Kaltluftabflusses oder des Entstehungsgebietes übernehmen […] Für die Situation am Tag können sie dazu beitragen (in 250m erreichbar), die Bevölkerung in Leipzig mit ausreichend Grünflächen zu versorgen und dienen zur Erholung. […] Dem Schutz und Erhalt dieser Grünflächen sollte eine sehr hohe Priorität beigemessen werden und grundsätzlich eine Bebauung ausgeschlossen werden.“

Quelle: https://static.leipzig.de/fileadmin/mediendatenbank/leipzig-de/Stadt/02.3_Dez3_Umwelt_Ordnung_Sport/36_Amt_fuer_Umweltschutz/Energie_und_Klima/Stadtklima/Karte_Klimasanierungsgebiete_schuetzenswerte_Gruenflaechen_Stadtklimaanalyse_Leipzig.pdf, 2020

Außerdem gehört die Fläche zu einem Klimasanierungscluster, das heißt, dass hier 

„Maßnahmen für die Anpassung an den Klimawandel und die Reduzierung von Hitzestress primär umgesetzt werden [sollten]. Bei „Nachverdichtungsvorhaben ist darauf hinzuwirken, dass [diese] zu einer Verbesserung auf der Fläche selbst sowie auf angrenzenden Flächen führen. Ist dies nicht möglich, sollten Nachverdichtungen gänzlich vermieden werden.“

Quelle: ebd.

Der Bezirk Plagwitz verfügt bei fast 17,000 Einwohner:innen über sehr wenige öffentlich zugängliche Grünflächen. Für viele Menschen aus Plagwitz, Lindenau und Kleinzschocher sind die Flächen am Bahnhof Plagwitz die einzig fußläufig erreichbaren Flächen zur Erholung und Abkühlung. Wir fordern deshalb die Aussetzung einer Neubebauung sowie die Entsiegelung und klimagerechte Begrünung der Flächen.

Schon im Jahr 2012, also vor über 10 Jahren, und zum Zeitpunkt der Planung für die städtischen Flächen am Bahnhof Plagwitz, hatte die Stadt sich folgende Ziele gesetzt: 

„Erhalt aller wichtigen Kaltluftentstehungsflächen sowie Freihaltung dazugehöriger Kaltluftabflussbahnen und sonstiger Frischluftschneisen, Minimierung des Anteils versiegelter Flächen, Erhöhung und dauerhafte Erhaltung des Anteils an Frei- und Grünflächen“

Quelle: koopstadt, Klimagerechte und nachhaltige Stadtentwicklung, Stadt Leipzig, Dezernat Stadtentwicklung, S.26

Wir fordern, dass diese Versprechen endlich in die Tat umgesetzt werden.

Das Argument, der Ort sei für eine Bebauung prädestiniert, denn er sei schon teilversiegelt, weisen wir streng zurück, denn in den letzten 10 Jahren wurden in Plagwitz, Lindenau und Schleußig fast alle Brachen bebaut (siehe Karte). Dadurch wurde reichhaltige Flora und Fauna der Stadtnatur vernichtet. Während die Stockausschläge nach der illegalen Rodung zur Baufeldfreimachung am Bahnhof Plagwitz üppig treiben, vertrocknen nicht-gegossene Neupflanzungen. Der Anteil von Parkplätzen ist in Plagwitz höher als der Anteil an Grünflächen. Neue Grünflächen sind im Viertel seit Jahren nicht entstanden. Im Leipziger Westen besteht ein schwerwiegendes Ungleichgewicht zwischen der Begünstigung des Bau- und Immobiliensektors und fehlenden öffentlichen Ausgleichsflächen, was im Widerspruch zu den Zielsetzungen städtischer Politik steht.

Wir appellieren daran, den Klimaschutz endlich ernst zu nehmen und die Stadtplanung in größeren Zusammenhängen zu denken. Minimal-invasive Grünstreifen, eine stetige Abnahme der jährlich verpflichtenden Baumpflanzungen und Wand- und Dachbegrünungen können diese unsere Frischluftschneise nicht ersetzen!

Fußnoten

1- INSEK 2030, EKSP 2030, Netto-Null-Versiegelung
2- siehe Daten des DWD hier und hier.

Erstunterzeichner:innen

  • Bürgerinitiative „Bürgerbahnhof Plagwitz erhalten!“
  • Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND) Leipzig
  • Ökolöwe – Umweltbund Leipzig e.V.
  • Initiative Stadtnatur Leipzig
  • StudentinnenRat der Universität Leipzig

Unterschriften (2555)

Neueste Unterschriften
2,555 Thomas W. 04229
2,554 Eva-Maria D. 04177
2,553 Tom R. 0422ö
2,552 Marie M. 04317
2,551 Christian L. 04177
2,550 Jan Martin H. 04229
2,549 Armin K. 04177
2,548 Alexander K. 04229
2,547 Gillian G. 04229
2,546 Magnus W. 04229
2,545 Robin W. 04229
2,544 Lena L. 04229
2,543 Henrik m. 04229
2,542 Luise K. 04229
2,541 Hendrik M. 04229
2,540 Henrike H. 04177
2,539 Andrè A. 04229
2,538 Tino W. 04229
2,537 Moritz E. 04229
2,536 Gloria O. 04229
2,535 Valentin E. 12347
2,534 Anne J. 12051
2,533 Tara Louisa Camille V. 04179
2,532 Axel S. 04229
2,531 Hannah G. 04209
2,530 Steven Q. 04177
2,529 Lasse L. 14195
2,528 Christopher M. 04105
2,527 Julia F. 04177
2,526 Carsten J. 04318
2,525 Cornelia N. 02625
2,524 Nele G. 07745
2,523 Karola G. 56130
2,522 Cathleen W. 04103
2,521 Claudia G. 04229
2,520 Helene K. 04178
2,519 Meike E. 04275
2,518 Saskia G. 04229
2,517 Yefry Aron M. 04229
2,516 Judith G. 04229
2,515 Leonie L. 04229
2,514 Julia H. 04229
2,513 Felix W. 04275
2,512 Tilman S. 04299
2,511 Emanuel P. 04105
2,510 René L. 04229
2,509 Claudia B. 04229
2,508 Efef H. 04229
2,507 Martin Z. 04177
2,506 Leonie K. 04177

Unterschriften (analog)

Circa 300 Personen haben den offenen Brief bereits analog unterschrieben.